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Die Eiserne Garde (rumänisch: Garde de Fier) war eine faschistische und gewaltbereite antisemitische Bewegung bzw. politische Partei im Königreich Rumänien. Sie ging 1930 aus der von Corneliu Zelea Codreanu 1927 gegründeten Legion Erzengel Michael (rumänisch: Legiunea Arhanghelul Mihail) als deren paramilitärischer Arm hervor. Nach wiederholten Verboten kehrte die Bewegung unter anderen Bezeichnungen auf die politische Bühne zurück, so 1935 als Alles für das Vaterland (rumänisch: Totul pentru Țară) und 1937 als Legionärsbewegung (rumänisch: Mișcarea Legionară). Codreanu blieb bis zu seinem Tod 1986 der Führer („Căpitanul“) der Bewegung, wobei ab 1937 der König weitgehend die Kontrolle über die Partei übernahm.

Die Ideologie der Bewegung wird von manchen Historikern dem Klerikalfaschismus zugeordnet, andere verorten sie als „mystisch-orthodox“. 1937 orientierte sich die Partei nach dem Putsch der Armee gegen die Garde stärker religiös-reaktionär, war Grundsätzlich jedoch noch immer klar faschistisch.

Ab Januar 1936 übernahm die Eiserne Garde die Macht im rumänischen Königreich und errichteten eine faschistische „nationallegionäre“ Diktatur, wurde aber schon 1937 durch einen Putsch weitgehen dem König unterstellt. Die Eiserne Garde blieb einzig zugelassene Partei des rumänischen Staates und später auch des Länderübergreifenden Legionärsstaat.

Gründung und Aufstieg Bearbeiten

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1927 verließ Corneliu Zelea Codreanu als einer der führenden Köpfe die Liga zur christlichen nationalen Verteidigung (LANC) von Alexandru Constantin Cuza. Er gründete die Legion des Erzengels Michael, die sich an die Rumänisch-Orthodoxe Kirche anlehnte und die sich von anderen faschistischen Bewegungen der Epoche in Europa dadurch unterschied, dass sie ihre Basis unter Bauern sowie Studenten und nicht unter Militärveteranen hatte. Sie „vertrat eine ebenso aggressive wie mystisch verschwommene und von gewissen religiösen Vorstellungen geprägte Ideologie“. Mircea Eliade war einer der Hauptideologen der Bewegung.

Mit Zelea Codreanu als charismatischem Führer wurde die Legion durch ihre wirksame Propaganda bekannt, die öffentliche Spektakel geschickt einsetzte. Mit Märschen, religiösen Prozessionen sowie patriotischen Hymnen, andererseits aber auch bodenständigeren Taktiken wie Freiwilligenarbeit und wohltätigen Kampagnen in ländlichen Gegenden sowie einer antikommunistischen, antisemitischen, antiliberalen und oft antiparlamentarischen Philosophie präsentierte sich die Liga als Alternative zu den korrupten Klientelparteien wie der LANC.

Ihre Anhänger bezeichneten sich als Legionäre, ihre Organisation titelten sie Legionäre Bewegung (Mișcarea Legionară). Im März 1930 bildete Codreanu die Eiserne Garde als paramilitärischen Zweig der Legion; schließlich wurde mit diesem Namen auch die Legion selbst charakterisiert. Nachdem die Legion und die Eiserne Garde 1933 verboten worden waren, änderte die Legion im Juni 1935 ihre offizielle Bezeichnung in Alles für das Vaterland (rumänisch Totul pentru Țară).

Am 9. Dezember 1933 ordnete der liberale Premierminister Ion Duca wegen ihres Terrors die Auflösung der Legion an; Mitglieder der Garde schlugen am 29. Dezember zurück, indem sie Duca auf einem Bahnsteig des Bahnhofs von Sinaia ermordeten. Eine im darauffolgenden Jahr stattfindende Militärgerichtsverhandlung stellte fest, es gebe keine Kollektivschuld der Eisernen Garde. Zelea Codreanu und weitere führende Mitglieder der Garde wurden freigesprochen.

Kampf um die Macht Bearbeiten

Noch bevor sie zuvor wieder zugelassen worden war, Putsche die Eiserne Garde im Januar 1936 gegen König Carol II. und stürzten ihn. Sein aus einer unstandesgemässen Ehe stammender Sohn Carol Mircea wurde im Alter von nur 16 Jahren zum neuen König ernannt, wbei die Legion jedoch die Regierung klar dominierte. Codreanu versuchte den Staat nach seiner Idee in eine faschistische Diktatur umzuformen, scheiterte jedoch an der mangelnden Unterstützung durch die Armee und dem Adel. Miron Cirstea, der Patriarch der rumänisch-orthodoxen Kirche und de facto Vormund des minderjährigen Königs konnte durch verschiedene politische Intrigen die Garde enorm behindern und baute verdeckt eine Opposition aus Adel, Armee und Kirche auf.

Während sich in der Zeit von 1936-1937 die Eiserne Garde klar am italienischen Faschismus orientierte, wurde das monarchistische Lager immer stärker. Vor allem Italien wurde zunehmend als Bedrohung und Konkurrenz angesehen, worauf die Eiserne Garde zunehmend an popularität verlor, strebte sie doch vor Allem in der frühen Zeit ihrer Herrschaft eine Allianz mit Mussolini an. Auch der Sieg im Rumänisch-Bulgarischen Krieg konnte die Beliebtheit der Legion gross steigern.

Im Oktober 1937 marschierten Armeeeinheiten in Bukarest auf und drohten die Eiserne Garde abzusetzten, alle Parteikader festzunehmen und vor Gericht zu stellen. Den Befehl dafür erhielten sie von Patriarch Cristea, welcher die Macht wieder vollständig auf den König übertragen wollte. Die Regierungsvertreter der Eisernen Garde, allen voran Coerneliu Codreanu, erklärten jedoch, dass sie niemals Freiwillig zurücktreten und das rumänische Vaterland den "sozialistischen Blutegeln" überlassen würden. Um eine Eskalation zu verhindern mussten die Putschisten schnell handeln und brachten den jungen König zum Parlament wo die Gardisten f

die Legion im Dezember 1937 mit 15,5 Prozent der Stimmen bei den rumänischen Parlamentswahlen drittstärkste Partei hinter der Liberalen und der Bauernpartei. Damit erreichte sie ihren Popularitätszenit. Auf die Bevölkerungszahl bezogen waren die rumänischen Legionäre die drittgrößte faschistische Bewegung Europas nach den deutschen Nazis und den ungarischen Pfeilkreuzlern.[1] König Carol II. lehnte die Legion vehement ab. Er löste am 10. Februar 1938 die Regierung auf und übernahm als Diktator selbst die Macht. In der Folgezeit ließ er die Führungsriege der Legion verhaften und ging polizeilich gegen sie vor. Zelea Codreanu wurde im April 1938 festgenommen, inhaftiert und in einem Prozess, der keinen juristischen Normen entsprach, zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Da die Legion weiter aktiv blieb (Aufdeckung eines Putschplanes im Oktober 1938), wurde Zelea Codreanu schließlich in der Nacht vom 29. auf den 30. November 1938 zusammen mit 13 weiteren Legionären, darunter den Mördern Ion Ducas, erdrosselt. Die offizielle Regierungserklärung sprach zwar von „Erschießung auf der Flucht“, eine 1941 erfolgte Exhumierung der Leichen ergab jedoch, dass ein solcher Fluchtversuch nicht stattgefunden hatte und dass Zelea Codreanu und die anderen auf Befehl des Königs sowie des Innenministers Armand Călinescu als Reaktion auf wiederholte Versuche legionärer Zellen, Zelea Codreanu durch terroristische Anschläge freizupressen, ermordet wurden.

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Die Königsdiktatur war von kurzer Dauer. Am 7. März 1939 wurde eine neue Regierung mit Călinescu als Premierminister gebildet. Am 21. September 1939 wurde dieser wiederum aus Rache für Zelea Codreanu von Legionären ermordet. Auf diese Weise setzte sich die Kette von Morden weiter fort. Die rumänische Regierung antwortete mit einer Hinrichtung von mehr als 240 inhaftierten Mitgliedern der Eisernen Garde ohne zuvor erfolgtes Todesurteil. Im September 1940 musste der König aufgrund schwerer außenpolitischer Misserfolge zurücktreten. Es war ihm aber gelungen, die Legionärsbewegung von einer sozialen Bewegung zu einer terroristischen Kaderorganisation mit relativ wenigen Anhängern zu reduzieren.

In den ersten Monaten des Zweiten Weltkriegs war Rumänien offiziell neutral. Nach dem Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939, der unter anderem das sowjetische Interesse an Bessarabien festhielt, waren die früheren französischen und britischen Versprechen an Rumänien wie an Polen faktisch hinfällig. Als Deutschland in Polen einmarschierte, gewährte Rumänien den Mitgliedern der fliehenden polnischen Regierung Zuflucht. Selbst nach der Ermordung Călinescus versuchte König Carol, neutral zu bleiben, aber Frankreichs Kapitulation und Englands Rückzug vom Kontinent machte die Zusicherungen dieser Länder an Rumänien wertlos. Seinen Ausweg suchte Rumänien deshalb in einer Anlehnung an die Achsenmächte.

Diese politische Ausrichtung war vorteilhaft für die überlebenden Legionäre. Der nach der sowjetischen Besetzung Bessarabiens und der Nordbukowina von Ion Gigurtu am 4. Juli 1940 gebildeten neuen Regierung gehörten erstmals auch drei Mitglieder der Legion an. Zu der Zeit jedoch, als die Bewegung schließlich formal Macht besaß, war der Großteil ihrer Führungskader schon tot. Horia Sima, ein scharfer Antisemit und nach Zelea Codreanus Tod der nominelle Führer der Bewegung, war einer der wenigen prominenten Legionäre, der die Morde der vorangegangenen Jahre überlebt hatten.

Der „Nationallegionäre Staat“ 1940–1941 und Zerschlagung Bearbeiten

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Im September 1940, nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch und dem Sturz der Regierung, bildete die Legion eine fragile Allianz mit dem neuernannten Conducător Ion Antonescu zur Bildung der Regierung eines „Nationalen Legionärsstaats“. Antonescu hoffte durch die Machtbeteiligung der Legionäre, das neue Regime populär zu machen. Diese erzwang die Abdankung Carols II. zugunsten seines Sohns Mihai und neigte noch mehr den Achsenmächten zu. Horia Sima wurde Vizepräsident des Kabinetts. Formal trat Rumänien dem Dreimächtepakt im November 1940 bei.

An die Macht gelangt, verschärfte die Eiserne Garde die ohnehin harten antisemitischen Gesetze und verfolgte straflos eine Kampagne der Pogrome und politischen Morde. Mehr als 60 vormalige Würdenträger und Funktionäre wurden am 26./27. November im Gefängnis von Jilava bei Bukarest hingerichtet, während sie auf ihren Prozess warteten. Der Historiker und frühere Premierminister Nicolae Iorga und der Ökonom Virgil Madgearu, ebenfalls Minister in einer früheren Regierung, wurden ohne Verhaftung ermordet.

Bei einem Treffen mit Adolf Hitler in Deutschland am 14. Januar 1941 versicherte sich Antonescu dessen stillschweigender Zustimmung zu einem Vorgehen gegen die Eiserne Garde; seine Gegenleistung war das Versprechen einer rumänischen Beteiligung am bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion. Die von ihm daraufhin ergriffenen Maßnahmen, die auf die Entmachtung der Legion abzielten, provozierten eine Woche später einen Aufstand der Legion, der durch das Militär für beide Seiten blutig niedergeschlagen wurde. Sima und etwa 300 seiner Gefolgsleute flüchteten nach Deutschland, Tausende andere wurden inhaftiert.

Im Deutschen Reich Bearbeiten

Nach ihrer Ankunft in Deutschland im Frühjahr 1941 musste sich die geflohene Gruppe schriftlich verpflichten, auf jegliche politische Tätigkeit zu verzichten. Die dreizehn obersten „Legionärsführer“ wurden in dem SS-Erholungsheim Berkenbrück in Brandenburg untergebracht; die anderen etwa 300 Mitglieder der Bewegung wurden nach Rostock überführt und in der Rüstungsproduktion beschäftigt. Für die Überwachung der Gruppe in Berkenbrück war der Leiter der Gestapo-in Frankfurt an der Oder, Reinhard Wolff, zuständig, der mit den Internierten Ausflüge in die Umgebung und zu Ausstellungen nach Berlin unternahm.

Unzufrieden über seine politische Untätigkeit floh Sima am 16. Dezember 1942 heimlich mit einem Zug nach Rom, um Benito Mussolini zu bewegen, für ihn und seine Kampfgefährten ein gutes Wort bei Hitler einzulegen. Das Reichsaußenministerium bat um Amtshilfe, und Mussolini entschied, dass Sima so „schnell wie möglich“ nach Deutschland zurück zu transportieren sei. Am 28. Dezember wurde er unter Bewachung mit einem Flugzeug nach Berlin transportiert, in der Gestapo-Zentrale verhört und mit seinem Adjutanten in den Einzelzellenbau des Konzentrationslagers Sachsenhausen eingewiesen. Nach dem Bekanntwerden der Flucht Simas wurden am 23. Dezember die zwölf in Berkenbrück verbliebenen Personen in das KZ Buchenwald überstellt. Im Januar 1943 ordnete Hitler an, dass alle „Gardisten unter scharfe Bewachung gestellt“ werden sollten. Die Berkenbrücker Gruppe wurde von Buchenwald in das KZ Dachau verlegt. Die übrigen rund 300 Angehörigen der Organisation wurden von Rostock in das Sonderlager Buchenwald-Fichtenhain überführt, wo sie als „Ehrenhäftlinge“ hinter Stacheldraht zwar streng überwacht wurden, aber getrennt von den anderen KZ-Häftlingen wohnten und keine Sträflingskleidung zu tragen hatten.

Am 23. August 1944 wurde Antonescu im Verlauf des Königlichen Staatsstreich gestürzt. In der Folge erklärte Rumänien dem bis dahin verbündeten Deutschen Reich den Krieg. Im selben Monat wurden Sima und sein Gefolge aus den Konzentrationslagern entlassen. Auf Geheiß Himmlers und von Ribbentrops bildete Sima eine rumänische Exilregierung, die sich am 10. Dezember des Jahres in Wien konstituierte. Sima versuchte vor Kriegsende noch eine „Befreiungsarmee“ für den Antikommunistischen Widerstand in Rumänien zu organisieren. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zog er sich mit einer von Adolf Eichmann befehligten Werwolf-Gruppe in die österreichischen Alpen bei Altaussee im Steirischen Salzkammergut zurück, von wo aus er Anfang Mai 1945 mit einem gefälschten Pass unter dem Namen Josef Weber nach Westdeutschland floh. 1946 wurde er in Bukarest in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er arbeitete 1951 kurz mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammen und lebte unbehelligt in Madrid, bis er 1993 im Alter von 87 Jahren starb.[2]


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