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Roter Krieg
Red army soldiers end of 1920s-beginning of 1930s
Soldaten der Stalinisten, Ende 1929
Datum 1927 bis 1931
Ort Russland
Casus Belli Ernnenung von Trotzki zum neuen Revolutionsführer durch die Kirgisische ASSR
Ausgang Niederlage der Trotzkisten
Folgen Vereinigung der UdSSR unter Stalin
Konfliktparteien
Stalinisten Trozkisten
Befehlshaber
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Jossif W. Stalin
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Grigori K. Ordschonikidse
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Nikolai W. Krylenko
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Semjon M. Budjonny
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Alexander I. Jegorow
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Grigori I. Kulik
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svgLeo Trotzki
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Timofei W. Sapronow
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Nikolai I. Muralow
Flag of the Soviet Union (1923-1955) svg Wladimir A. Antonow-Owsejenko
KirgisischeASSRFlag Akmal Ikramow
KirgisischeASSRFlag Nikolai D. Kaschirin

Der Rote Krieg zwischen dem leninistischen, linken Flügel der  Bolschewiki  einerseits und den Anhängern Stalins und dessen Aufassung des Kommunismus andererseits dauerte von 1927 bis 1931. Der Krieg selbst wurde in der UdSSR nicht als solcher betrachtet; während die Trotzkisten von der "Revolution von 1927'" sprachen, wurden die Kampfhandlungen von den Stalinisten mit der Bezeichnung "1927er-Putsch" heruntergespielt. International wurde der Rote Krieg allgemein als Bürgerkrieg definiert, wobei selbst Europa kaum Notiz von dem Konflikt nahm der als inner-sowjetische Angelegenheit angesehen wurde.

Der Kriegsverlauf lässt sich grob in drei Etappen erklären. Zu beginn des Krieges bis Ende 1928 prägten vor allem Truppenverschiebungen und Propaganda auf beiden Seite das geschehen. Im Jahre 1929 kam es zu den ersten grossen Kampfhandlungen, wobei Trotzki verschiedene grössere Siege erzielen konnte. In einem letzten Zeitabschnitt 1930-1931 konnten die Stalinisten dann erfolgreich die trotzkistische Rote Armee zerschlagen und somit den Krieg beenden. Nach Kriegsende musste Trotzki ins Exil gehen und Stalin übernahm als Alleinherrscher die UdSSR.

Ursachen Bearbeiten

Nach dem Inkrafttreten des Trotzki-Dekrets beziwhungsweise des gesamtrussischen Friedensvertrags von 1921 begann für die UdSSR eine Zeit des Aufschwungs. Die NEP brachte grosse Wirtschaftliche fortschritte und das durch den Bürgerkrieg stark gebeutelte Land konnte langsam wieder aufgebaut werden. Zeitgleich konnte Stalin seine Macht stetig weiter ausbauen und immer grössere Teile des Parteiapperats unter seine Kontrolle bringen. Nach dem Tod Lenins konnte Trotzki durch die immer mehr stalinistische Partei erfolgreich isoliert werden, 1926 wurde die NEP quasi abgeschafft, die Landwirtschaft mit Gewalt kollektiviert und die Schwerindustrie enorm ausgebaut.

Der Mord an Asset Abdrachmanow führte zu einer Eskalation des Konflikt zwischen den ZK in Moskau und der Parteispitze der Kirgisischen ASSR, welche die NEP und die Ideen Lenins und Trotzkis befürworteten und den Stalinisten vorwarfen, für den Mord an Abdrachmanow verantwortlich zu sein. Im Mai 1927 kam es zu einem grösseren Bauernaufstand in Twer, nördlich von Moskau. Die arme Landbevölkerung sah in der Abschaffung der NEP und damit einem Hauptgrund für ihre verbesserte Lage einen Verrat an der Revolution und wollten mit Gewalt das ZK davon abbringen, mit den Zwangskollektivierungen fortzufahren. Durch die Fehlinformation, der Aufstand sei durch Trotzki geführt um das stalinistische ZK in Moskau zu stürzen, erklärte nur wenige Tage darauf die Kirgisische Kommunistische Partei Trotzki zum neuen Revolutionsführer der UdSSR und Stalin zum Verräter, welcher wiederum Trotzki und alle seine Anhänger als Verräter verurteilte.

Nach anfänglichem zögern - Trotzki wusste zu beginn des Roten Krieges noch überhaupt nichts von der Erklärung der Kirgisischen ASSR - übernahm Trotzki mit der Unterstützung der Landbevölkerung und einiger Arbeiter dann doch die Führung über die WKP(B). Ein Grossteil der Partei und des ZK floh bereits kurz nach der Proklamation der Kirgisischen ASSR aus Moskau nach Südrussland, wo Stalin über breitere Unterstützung verfügte. Es hatten sich somit zwei Parteien gebildet: Die Trotzkisten mit der Unterstützung der Kirgisischen ASSR und einem Grossteil der Landbevölkerung auf der einen, die Stalinisten mit der Unterstützung eines Grossteiles der alten Parteikader und der Armee auf der anderen Seite.

Verlauf Bearbeiten

Nach der Erklärung der Kirgisischen ASSR spaltete sich die Sowjetunion in zwei Teile. Trotzki konnte auf die Loyalität von neun Armeen zählen, während sich lediglich sieben auf Stalins Seite stellten. Dennoch konnte man von einer Überlegenheit der Stalinistischen Kräfte sprechen: Erstens standen die stärksten sowjetischen Verbände (die 14., 15. und 16. Armee) geschlossen hinter Stalin, zweitens blieben von den trotzkistischen Armeen drei (die 5., 7. und 10. Armee) grösstenteils passiv.

Map-SOV-1927-1931

Kriegsverlauf 1927-1931

Da keine der beiden Konfliktparteien auf einen Kriegsausbruch vorbereitet war dauerte es fast ein Jahr bis zum Ausbruch grösserer Kampfhandlungen. Viele der Grossverbände waren unvorbereitet oder entlang der Aussengrenze der UdSSR stationiert - gerade der Aufmarsch der kirgisischen Truppen dauerte aufgrund der schlechten Infrastruktur mehrere Monate.

Die ersten echten Kampfhandlungen begannen Ende 1928. Der ganze Konflikt zeichnete sich durch einzelne Massenschlachten und nachfolgenden, weit verstreuten kleinen Geplänkel aus. Durch die weiten Landflächen Russlands und dem fehlen von Befestigungsanlagen trafen die Grossverbände meistens direkt aufeinander, wobei die zahlenmässig überlegene Seite mit Massenangriffe die Oberhand gewinnen konnte. Die besiegten Armeen zogen sich bis auf wenige Ausnahmen unorganisiert in alle Richtungen zurück und kämpften bis zur erfolgreichen Reorganisation für gewöhnlich als lose Kleinstverbände in den umliegenden Wäldern und Dörfern weiter.

Dank Massenrekrutierung der Landbevölkerung eroberte Trotzki während einer Grossoffensive 1929 weite Teile des zuvor von stalinistischen Truppen gehaltenen Gebietes. Nach nur wenigen Monaten verlor die Offensive jedoch an Schwung und blieb schliesslich tief im Feindland stehen. Das fehlen von Infrastruktur und Nachschublogistik brachte die Trotzkisten gegen Ende 1929 in eine unannehmbare Lage. Desorganisiert und erschöpft wurden die meisten Verbände durch die stalinistische Rote Armee eingekreist und aufgerieben. In den Jahren '30-'31 gewann Stalin schliesslich endgültig die Oberhand und schlug die Trotzkisten an allen Fronten.

1927-1928: Vorbereitungen zum Krieg Bearbeiten

Nordfront und Kirgisien Bearbeiten

Noch bevor Trotzki im Juli 1927 als offizieller "Revolutionsführer" die politische Führung als auch das Oberkommando über die ihm gegenüber loyalen Kräfte übernahm marschierten die 6. Armee und die 1. Kavallerie-Armee unter Akmal Ikramow und Nikolai Dmitrijewitsch Kaschirin nach Westen. Ihr Ziel war die Eroberung von Stalingrad, wo sie einen Brückenkopf als Hauptquartier der kirgisischen Rotarmisten errichten wollten. Von dort aus sollten dann alle weiteren Aktionen mit den vermeintlich von Trotzki geführten Armeeverbänden in Nordrussland koordiniert werden.

Kurz zuvor kam es in den Reihen der 1. Armee bereits zu Auflöseerscheinungen. Die vor allem aus jungen Soldaten bestehende 1. Armee wurde mobilisiert um die Aufstände um Twer niederzuschlagen. Nach ersten kleineren Niederlagen war die Moral bereits am Boden - die Soldaten waren weder auf einen Guerillakrieg vorbereitet, noch wirklich bereit auf Landsleute zu schiessen. Als die Kirgisen dann gegen Westen zogen und das ZK aus Moskau floh meuterten die Rotarmisten in grossen Zahlen. Die verbliebenen circa 30'000 Mann schlossen sich zwischen Mai und Juli jeweils Gruppenweise den Aufständischen an und bildeten nach der Machtübernahme Trotzkis dessen Hauptstreitmacht im Norden.

Map OOB SOV 1927

Aufstellung der sowjetischen Armeeverbände anfangs 1927

Trotzkis Machtübernahme Bearbeiten

Am 22. Juli 1927 befahl Trotzki allen Armeen der UdSSR entweder die Waffen niederzulegen oder sich seinem Oberbefehl zu unterstellen. Die 3., 4. und 9. Armee garantierten darauf Trotzki ihre Loyalität, wobei sich die 9. Armee von Nordrussland gegen Süden verschob. Aufgrund Infrastruktur- und Versorgungsproblemen konnte die Armee unter Wladimir Alexandrowitsch Antonow-Owsejenko jedoch erst 1928 aktiv in den Krieg eingreifen.

Nach dem Aufstand der Kirgisischen ASSR erklärte das ZK unter Stalin, welches sich zwischenzeitlich nach Woronesch zurückgezogen hatte, Trotzki zum Verräter und forderte ebenfalls die Loyalität aller Truppen der Roten Armee. Die 16. Armee, welche in der Ukraine gegen reaktionäre und sozialdemokratische Truppen vorging und zu den am besten ausgerüsteten Armeen der UdSSR überhaupt gehörte, war unter dem Kommando Ordschonikidse, einem engen Vertrauten Stalins. Dieser beorderte alle ihm unterstellten Truppen nach Nordosten und organisierte einen Abwehrring um Woronesch. In der Ukraine führte der Abzug der sowjetischen Interventionsmacht zu einem Machtvakuum, welches darauf von den konservativen Weissen und Kosaken ausgefüllt wurde, was deren Machtposition im Ukrainischen Bürgerkrieg stark verbesserte.

Süd- und Westrussland Bearbeiten

Semjon Budjonny, legendärer Kavalleriegeneral und enger Freund Stalins, führte 1927 die 12. Armee, welche im Dreiländereck Georgien-Aserbaidschan-Sowjetrussland die Grenzen sichern sollte. Im Kaukasus kam es immer wieder zu Übergriffe von antikommunistischen Freischärlern, so dass die 12. Armee (zusammen mit der 13. Armee im Kuban-Gebiet) relativ grosse Vorräte an Waffen und Munition hatte. Stalin wollte um jeden Fall verhindern, dass die kirgisischen Truppen die Wolga überquerten, bzw. Stalingrad erobern konnten. Mit dem Fall von Stalingrad hätten die Trotzkisten die volle Kontrolle über die Wolga und somit über die Versorgungswege nach Norden übernommen. Budjonnys 12. Armee wurde zur Verteidigung der strategisch wertvollen Stadt abkommandiert, wo der alte General zusätzlich das Kommando über die 2. Armee übernahm.

Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski, der wahrscheinlich erfolgreichste sowjetische General und ehemals Liebling Lenins, war zwar eher ein Sympathisant von Trotzki, erkannte aber schon zu beginn des Roten Krieges die schlechte Ausgangslage der Trotzkisten. Er wusste über Differenz der Ausrüstungsmenge zwischen den kirgisischen, nordrussischen und südrussischen Armeen Bescheid und war sich im klaren, dass er von Stalin-Anhängern und Konterrevolutionären umgeben war. Aus reinem Pragmatismus erklärte er gegenüber Stalin, dass er einerseits auf dessen Seite war, die Position an der Nordgrenze Georgiens jedoch unmöglich aufgeben konnte um der Georgischen Republik nicht einen Angriffsgrund gegen die schwächelnde Sowjetunion zu liefern. Stalin wiederum wollte keine rebellierende Armee im Rücken und akzeptierte Tuchatschewkis Scheinargument.

Die Truppen der Armenischen SSR waren in der 11. Armee zusammengefasst. Die Armenier standen seit 1924 unter kommunistischer Herrschaft, doch schon kurz nach der Machtergreifung kam es zu grossen Ausschreitungen, die nur mit Gewalt unterdrückt werden konnten. Da Armenien keine gemeinsame Grenze zu der Russischen SFSR besass wurde die Teilrepublik bald zum Sorgenkind der Union. Die dortigen Truppen wären in einem Kriegsfall von zwei feindlichen Staaten eingekesselt und hätten kaum eine Chance, lange durchzuhalten. Um nicht zu viele Ressourcen zu riskieren, aber dennoch auch grössere Aufstände wie 1924 niederschlagen zu können, legte man die Sollstärke der 11. Armee bei 10'000 Mann für Friedens- und Kriegszeiten fest. Die Armenische Kommunistische Partei war seit der Machtergreifung Stalin hörig, doch aufgrund der Nachteiligen geographischen Lage wer eine aktive Beteiligung der 11. Armee im Roten Krieg nicht möglich. Wenige Infanterie-Regimenter wurden jedoch mit dem Schiff nach Russland gebracht und kämpften dort angeschlossen an die 16. Armee.

Die 14. und 15. Armee unter den Generälen Jegorow und Kulik marschierten nach Stalins Aufruf Richtung Moskau, wobei vor allem die 15. Armee durch moderne Schienenanlagen profitiere und im Gegensatz zu den meisten anderen Verbänden schon im Frühjahr 1928 leichte Gebietsgewinne machen konnte. Ende 1928 konnte Jegorow die Wolga nahe Nischni Nowgorod überqueren und so die 3. und 4. Armee der Trotzkisten einkesseln, gleichzeitig marschierten seine Truppen wenige Kilometer vor Moskau auf.

1929: Vormarsch der Trotzkisten Bearbeiten

Angriff auf Stalingrad Bearbeiten

Die Truppen der Kirgisischen ASSR marschierten im Frühjahr 1929 trotz schwerem Schneefall in das von den Stalinisten gehaltene Gebiet um Stalingrad ein. Die dort stationierte 2. Armee versuchte die Trotzkisten im semiariden Teil der Kaspischen Senke aufzuhalten, musste aber aufgrund mangelnder motorisierung und schlechter Führung schwere Niederlagen gegen Kaschirins Kavallerieverbände einstecken. Eine zweite Verteidigungslinie im Wolgadelta wurde nach wenigen Tagen durchbrochen - die 2. Armee zog sich weit hinter die Linien zurück und war kaum mehr Einsatzbereit. Nachdem Stalingrad kurz durch die Kirgisen besetzt wurde zogen sich diese wieder hinter die Wolga in Verteidigungsstellungen zurück, als die 16. Armee, verstärkt durch mehrere tausend Infanteristen der 11. Armee, auf die Stadt zu marschierte. Kaschirin plante zur Entlastung der 6. Armee einen Flankenangriff auf die 16. Armee, worauf Stalingrad zu halten gewesen wäre, doch Budjonnys 12. Armee bedrohte inzwischen die Süd-Flanke der Trotzki-Loyalisten.

Auch wenn die Kirgisen über weit weniger Artillerie verfügten als Ordschonikidses Armee errichteten sie am Wolgaufer eine überlegene Abwehrstellung mit Grabensystemen und MG-Stellungen. Nach einem überstürzten, verlustreichen Angriff über die Wolga musste der Stalinist die Niederlage eingestehen und sich nach Stalingrad zurückziehen. Im Juli und August 1929 führten beide Armeen regelmässige Artillerieduelle wobei die 6. Armee dank den befestigten Stellungen kaum Verluste erlitt. Die 16. Armee im Gegenzug musste hingegen ihre Stellung weiter zurück verlagern - Stalingrad lag nun zwischen den Fronten in einer Todeszone. Die Zivilbevölkerung wurde von keiner der beiden Seite berücksichtigt und mussten auf sich alleine gestellt fliehen, wobei viele in ihren Häusern blieben. Grosse Teile der Industrieanlagen am Wolgaufer wurde schwer getroffen und musste nach dem Krieg teilweise komplett neu aufgebaut werden.

Nach dem zurückweichen der 16. Armee ging die Anzahl an Feuergefechten stark zurück. Für beide Seiten schien ein Angriff verheerend, und da die Stadt in der Reichweite der Artillerie beider Seiten war, war eine Besetzung Stalingrads undenkbar. Die Pattsituation sollte bis 1930 anhalten. Im südlichen Wolgadelta versuchten zwischenzeitlich Kaschirin wie auch Budjonny die Wolga zu passieren und der anderen Seite jeweils in die Flanke zu fallen. Die Geplänkel fanden oft bei Nacht statt und nicht selten gingen ganze Gruppen im sumpfigen Gebiet verloren. Beiden Seiten gelangte es zwar von Zeit zu Zeit die Wolga zu überqueren, doch wurden sie auch immer kurz darauf wieder zurückgedrängt.

Kessel bei Moskau Bearbeiten

Da die 16. Armee Richtung Stalingrad abmarschierte und die 14. Armee in Westrussland grosse Probleme mit den Truppen des Baltischen Freistaates hatte musste die 15. Armee ein riesiges Gebiet alleine Halten. Dazu kam die Gefahr einer Einkesselung: von Osten her bewegten sich die 3. und 4. Armee gegen Westen, im Norden griff die 9. Armee in den Konflikt ein und die 1. Armee in Moskau zerschlug den Belagerungsring. Trotzki liess die Landbevölkerung mit dem Versprechen der Wiedereinführung der NEP in Massen rekrutieren und konnte seine angeschlagene Armeen so massiv Verstärken.

Alexander I. Jegorow entschied sich, seine Armee über hunderte von Kilometern aufmarschieren zu lassen und die Verbindung nach Westrussland um jeden Preis zu verteidigen. So verlor er zwar weiter Boden um Moskau, doch wurde die Strecke, welche die 3. Armee unter Nikolai Iwanowitsch Muralow zurücklegen musste um den Kessel zu schliessen immer grösser. Die Offensive verlor an Schwung und durch Nachschubprobleme kam der Vormarsch ins Stocken. Im Juli 1929 musste der Weitermarsch abgebrochen und die Armee reorganisiert werden.

Die 4. Armee unter Sapronow - einem Sympathisant Trotzkis ohne echte militärische Erfahrung - hätte jedoch mit einem massiven Angriff auf die östliche Stellungen der 15. Armee die ausgedünnten Linien durchbrechen können. Die Stalinisten hätten sich zwar über den noch immer gehaltenen Korridor zurückziehen müssen, wären jedoch an der Nordfront de facto besiegt gewesen. Sapronow vertraute doch darauf, dass Muralow den Kessel schliessen würde. Vom Stillstand der Offensive erfuhr er aufgrund der schlechten Kommunikationsmittel nichts. Später soll er sich gegenüber Trotzki damit erklärt haben, dass er seine Männer schonen wollte, worauf er bald als Feige und Inkompetent angesehen wurde.

Die Trotzkisten hatten eine gute Chance mit einem aggressiveren Vorgehen den Krieg für sich zu entscheiden, doch Führungsfehler und schlechte Organisation machte diese Chance zunichte.

Kampf im Baltikum Bearbeiten

Der Baltische Freistaat war schon immer ein Dorn in den Augen des ZK. Der lose Zusammenschluss ehemaliger Zaristen und Baltendeustchen kontrollierte ein grösseres Gebiet um Pskow und terrorisierte die Bevölkerung mit Willkür und brutaler Gewaltherrschaft. Die Rote Armee hatte nach dem Russischen Bürgerkrieg nicht die Kapazität, sich mit dem Freistaat auseinander zusetzten, und schlussendlich war Pskow für die Moskauer Regierung unwichtig. Nach dem Ausbruch des Roten Krieges war dem Führer des Freistaats, Fürst Bermondt-Awaloff klar, dass die UdSSR zu zerbrechen drohte. Seine Truppen eroberten schon 1927 kleinere Gebiet, bis 1929 konnte der reaktionäre Fürst seinen Einflussbereich fast verdoppeln.

Die 14. Armee unter General Kulik hätte die 15. Armee bei ihrem Vormarsch gegen Moskau unterstützen sollen, doch der General sah in dem Freistaat den grösseren Feind. Durch dessen Auslöschung wollte er Ruhm und die Gunst Stalins erlangen, doch durch seine Inkompetenz als militärischer Führer verlor er schon nach wenigen Kämpfen massenweise Kriegsmaterial an Bermondt-Awaloff, der immer mehr der persönliche Nemesis Kuliks wurde.

Er führte die 14. Armee in einen Kampf gegen die baltischen Freischärler, welche mit Überraschungsangriffen und Guerilla-Überfällen die Rotarmisten immer weiter demoralisierten und den Nachschub zum erliegen brachten. Die Soldaten der 14. Armee desertierten in Strömen. Nach einem Jahr kleiner Gefechte und teils schwerer Niederlage gegen die an sich unterlegenen Freischaren war die 14. Armee kaum mehr Einsatzbereit und stellte den Grossteil der Offensivmanöver gegen den Freistaat ein.

1930-1931: Sieg der Stalinisten Bearbeiten

Entscheidung an der Wolga Bearbeiten

Nach verlustreichen Kämpfen im April gelang es den Stalinisten bei Wolschski die Wolga zu überqueren. Während die Kavalleriearmee der Trotzkisten sich relativ geordnet zurückziehen konnte und sich bei Gurjew neu sammelte zerstreute sich die 6. Armee in den Sümpfen des Wolgadeltas, von wo die Kirgisischen Truppen jedoch tapfer widerstand leisteten und erst gegen August endgültig zurückgedrängt werden konnten. Kurz drauf marschierte Budjonny mit seiner Armee Richtung Gurjew um Kaschirins Truppen endgültig zurück zuschlagen. Dessen Kavalleriearmee war jedoch bereits wieder Kampfbereit und in den trockenen Ebenen der Kaspischen Senke trafen die beiden Kavalleriegeneräle aufeinander. Während Kaschirin über mehr Kavallerie als Budjonny verfügte besassen dessen Truppen bessere Ausrüstung und mehrere Artillerieabteilungen. Auch wenn die Kirgisen bei einer gewaltigen Kavallerieschlacht im Nahkampf die Oberhand gewannen sah Budjonny als begnadeter Kavallerist die allermeisten Manöver des Feindes voraus und konnte sich erfolgreich mit seiner Infanterie und MG-Unterstützung wehren.

Die 1. Kavallerie-Armee trat den Rückzug an, versuchte aber in den Ebenen der Kirgisischen ASSR immer wieder von neuem einen Konterangriff einzuleiten. Anfangs 1931 war sowohl die 1. Kavallerie-Armee als auch die 6. Armee völlig abgekämpft. Die bislang passive 5. Armee sandte zwar mehrere Divisionen nach Westen, konnte aber trotzdem den Vormarsch der Stalinisten nicht aufhalten.

Niederlage im Norden Bearbeiten

Schon 1929 übernahm Nikolai Krylenko das Oberkommando über alle Kräfte an der Nordfront, also der 14. und 15. Armee. Durch die Unfähigkeit der 14. Armee, die Truppen im Norden zu unterstützen brauchte Krylenko eine Alternative. Im Herbst 1929 wurden verschiedene Armeeeinheiten aus zwangsrekrutierten Männern aufgestellt und unter der Führung von Politoffizieren, welche lose organisiert vor allem im Hinterland Reserveaufgaben übernahmen.

Durch die darauf folgenden Entlastung der 15. Armee konnte diese die 9. Armee schliesslich zurückschlagen und Moskau von Norden her bedrohen. Die 4. Armee versuchte die noch einzugreifen, doch gelang es Sapronow lediglich die östliche Flanke zu halten, was weder taktisch noch strategisch Sinnvoll war. Gleichzeitig bewegte er so seine Truppen weit nach Norden, weg von der erschöpften 3. Armee, welche immer weiter von den zwangsrekrutierten Einheiten Krylenkos bedrängt wurde.

Unterstützt von den Resten der 2. Armee wurde die eingekesselten Trotzkisten geschlagen, ein Grossteil der Armee desertierte und lief zu der Fraktion um Stalin über. Muralow ergab sich und wurde festgenommen.

Ende 1930 wurde die 9. Armee komplett geschlagen und auch die 1. Armee musste nach schweren kämpfen Moskau verlassen. Nach einem unorganisierten Rückzug lösten sich beide Armeen im März 1931 auf, die 4. Armee kapitulierte darauf kampflos und Trotzki verliess das Land.

Kurz vor der endgültigen Niederlage gelang es der 9. Armee noch Truppen des Baltischen Freistaates - die schon weit im Gebiet der Trotzkisten standen - vernichtend zu schlagen. Ironischerweise ermöglichte Antonow-Owsejenko so der 14. Armee unter General Kulik die Zerschlagung der geschwächten Freistaat-Truppen. Die wenigen übriggebliebenen Freischärler zogen sich in einer dramatischen Fussmarsch bis in die Ukraine zurück, wo Bermondt-Awaloff zusammen mit den Kosaken gegen die Sozialdemokraten kämpfte.

Mitte April kapitulierten die letzten Truppen welche Loyal zu Trotzki standen. Stalin hatte seine Macht gesichert, doch Russland war durch den Krieg erneut stark geschwächt.

Reaktionen des Auslands Bearbeiten

Das Ausland nahm von dem Konflikt kaum Notiz. Der Ausbruch der Kampfhandlungen war zwar weithin bekannt, doch sah man gerade aufgrund der ereignislosen frühen Kriegsjahren den Krieg eher als interner Machtkampf zwischen verschiedenen politischen Strömungen wie er zum Beispiel in Weimar an der Tagesordnung war.

Stalin galt im Westen als autoritärer, starker Herrscher, doch war die vorherrschende Meinung, dass er nicht über die Genialität verfügen würde, die UdSSR zu einer Weltmacht zu formen. Trotzki dagegen galt als Terrorist, der die Weltrevolution anstreben würde. So unterhielt Deutschland trotz dem Krieg beispielsweise weiter Handelsbeziehungen mit Russland, bzw. mit der stalinistischen Fraktion.

Die direkten Nachbarländer verhielten sich unabhängig von Europa jedoch ganz unterschiedlich. Während sich für Georgien und Aserbaidschan sich nichts an ihrer Situation änderte - die 11. und 13. Armee verblieben weiterhin an der Grenze - griff der Baltische Freistaat direkt in den Konflikt ein und konnte seine Gebiete um mehr als das doppelte vergrössern. 1931 sollte dieser jedoch dann endgültig zerschlagen werden.

Verschiedene Gruppierungen in Turkestan plante schön länger einen Angriff auf die Kirgisische ASSR, jedoch fehlte der Föderation eine Zentralregierung und eine echte Armee. Dadurch übertraten nur wenige unabhängige Stammeskrieger die Grenzen und wurden nach dem Ende des Krieges durch Stalins Armee schnell wieder vertrieben. Ostsibirien verhielt sich dagegen gemäss dem gesamtrussischen Friedensvertrag, bzw. dem dritten Punkt des Trotzki-Dekrets neutral. Radikale Randgruppen forderten zwar einen Angriffskrieg gegen die Kommunisten, doch die bürgerlich ausgerichtete Regierung bestand auf die Einhaltung des Vertrages von 1921. Archangelsk schloss sich dieser Politik an, unter anderem auch, weil die de facto Belagerung der Stadt durch die 9. Armee gelockert wurde und die Wirtschaft der Stadt kurzzeitig ein erhöhtes Wachstum aufzeigen konnte.

Ein Sonderfall bildete die Freie Sibirische Exekutive. Die Exekutive selbst pflegte relativ gute Beziehungen zu der UdSSR, wenn auch nur inoffiziell. Nach dem Kriegsausbruch blieb sie zwar Neutral, sympathisierte jedoch mit den Trotzkisten. Durch den Marsch der kirgisischen Truppen durch das kaspische Becken (welches grösstenteils zum Staatsgebiet der Exekutive gehörte) lag eine klare Verletzung der nationalen Souveränität vor. Dennoch reagierte die Regierung in Orenburg nicht und liess sie gewähren. Militärisch wäre der Staat jedoch in keinem Fall fähig gewesen, die Grenze zu halten. Beim Vormarsch der Stalinisten wurde die Staatsgrenze der Exekutive wieder grob verletzt, was schlussendlich ein Zeichen für die schwache sibirische Regierung war. Nach dem Roten Krieg wurde die Exekutive von Stalin immer weiter an die UdSSR gebunden und wurde schlussendlich mehr zu einem de jure Regime.

Militärische Betrachtung Bearbeiten

Aufgrund des unerwarteten Kriegsbeginn verging bis zu den ersten Kampfhandlungen über ein Jahr. In dieser Zeit kam es jedoch zu verschiedenen kleineren Gefechten zwischen Milizionären - meist in den grösseren Städten. Auf dem Land, wo viele Haushalte oft kein eigenes Radio besassen wurde der Ausbruch des Roten Krieges zuerst nicht einmal bemerkt. Selbst die örtlichen Parteimitglieder stellten sich vielmals nicht auf eine Seite und warteten den Verlauf ab.

Die Rote Armee war zum Zeitpunkt der Erklärung der ASSR in einem desolaten Zustand. Die Grossformationen verfügten weder über ausreichend Munition noch Treibstoff für die wenigen motorisierten Verbände. Das Gross der Armee bestand aus Infanterie, Kavallerie und Pferdefuhrwerk was bezüglich der Beweglichkeit weitere Nachteile ergab. Im Hinblick auf die mangelnde - in abgelegenen Gegenden kaum existenten - Infrastruktur führte die Nachschubslage sowie die generelle Armeezusammensetzung zu stark verzögernden und berechenbaren Manövern.

An der Wolga entstand bald eine Pattsituation. Beide Seiten verfügten nur über wenig Artillerie, befestigten ihre Stellungen jedoch massiv. Auch wenn die Situation nicht ganz so verhärtet wie im 1. Weltkrieg war führte die minderwertige Ausrüstung, mangelnde Kommunikation und schlechte Logistik zu einem vollständigen Stillstand der Front. Erst gegen Ende des Krieges wurde die Linie der Trotzkisten unter verlustreichen Massenangriffen durchbrochen. Die sich zurückziehenden Truppen wurden immer wieder in kleinere Kämpfe verwickelt. Im Anschluss an diese Abwehrkämpfe kam es im August 1930 zu einer grossen, bemerkenswerten Kavallerieschlacht, in dem die beiden stärksten Reiterverbände der gesamten Sowjetarmee unter dem Kommando der besten Kavallerieoffiziere in flachem Gelände aufeinandertrafen. Nach brutalen Nahkämpfen entschied General Budjonny den Kampf durch überlegene Taktiken.

An der Norfront bei Moskau liefen die Kampfhandlungen weit chaotischer ab. Schon kurz nach Kriegsausbruch zog sich die Front vom Baltikum bis zum Ural was zu einer völligen Überdehung führte. Gepaart mit der unfähigkeit der dortigen Armeeführer mussten Kleinstverbände oft ohne Befehle und Aufklärung auf sich alleine gestellt im Hinterland kämpfen. Gerade im Westen der Front wurde ein erbitterter Guerilla-Krieg geführt und auf beiden Seiten schwere Kriegsverbrechen angeordnet. Im Osten dagegen kam es durch das Fehlen von Offizieren immer wieder zur fraternisierung zwischen den eigentlich verfeindeten Parteien. Gerade die Trotzkisten setzen von anfang an massiv auf Freiwilligenverbände, ab 1929 wurde dann durch die Stalinisten zwangrekrutierte Soldaten eingesetzt. Durch diese Tatsache kämpften schlussendlich auf beiden Seiten kaum professionelle Truppen was zu grossen Verlusten führte. Neben unorganisertem Geplänkel versuchten vor allem die Stainisten den Sieg surch grossangelegte Massenangriffe zu erringen, wobei aufgrund der Frontüberdehnung der Durchbruch oft ausblieb - die besiegten Gegner zerstreuten sich in alle Richtungen und führten den Kampf autonom weiter.

Lediglich an der Wolga-Front kann wirklich von einem profesionellen Krieg gesprochen werden; dort fand die Technik und Doktrin des 1. Weltkriegs im grossen und ganzen nocheinmal anwendung. Die Gefechte an der Nordfront lässt sich am besten als Guerilla-Krieg beschreiben, wenn auch zum Beispiel die vereinzelten Massenschlachten dafür sehr untypisch sind.

Stalin zog aus dem Kriegverlauf seine lehren und begann ab 1931 die Rote Armee stark zu motoriseren. Im zweiten russischen Bürgerkrieg verfügte diese über mehrere Panzerwagen- und Lastwagenabteilungen was gegen die veralteten weissen Verbände ein klarer Vorteil ergab. Auch wurde nach dem Roten Krieg die Luftwaffe massiv ausgebaut; bisher wurden zwar durchaus neue Flugzeuge entwickelt, aber kaum militärisch eingesetzt. Die mangelnde Aufklärung und das Fehlen schwerer Luftabwehrwaffen machten den Ausbau der Luftverteidigungskräfte unabdingbar.

Direkte Folgen Bearbeiten

Zahlen zu Toten und Verwundeten sind kaum verhanden. Vor allem auf der Seite der Trotzkisten wurde Verluste nur vereinzelt aufgezeichnet. Ein grossteil seiner Truppen stellten freiwillige Bauern und Arbeiter welche zum Teil nicht einmal offiziell in die Armee aufgenommen wurden.

Inklusive ziviler Opfer nehmen Experten an, dass Zahlen zwischen 400'000 und 600'000 realistisch seien.

Mit dem Russischen Bürgerkrieg von 1917-1921 zusammen verlor die Sowjetunion etwa 1% der Gesamtbevölkerung, was etwa der Hälfte der Verluste des 1. Weltkrieges entsprach. Durch die Hungerperiode zwischen dem Bürger- und Roten Krieg schrumpfte die Bevölkerung weiter, ohne die Verluste des frühen 20. Jhdt kompeniseren zu können. Anhand ungenauer und unregelmässiger Bevölkerunsgzählungen durch die Sowjetregierung kann zwischen 1917-1931 von einem Gesamtbevölkerungsschwund von 10-12 Millionen ausgegangen werden, was die Wirtschaftsmacht Russland extrem schwächte.

Dennoch erkannte Stalin durch den Roten Krieg die Schwächen der Roten Armee, der Infrastruktur und der sowjetischen Wirtschaft und versuchte diese darauf auszumerzen. Die angestrebte Motorisierung der russischen Armee führte zu grossem Wachstum der Schwerindustrie und durch den Strassen und Bahnausbau wurden viele Arbeitsstellen geschaffen welche die Armut effektiv bekämpften. Auch waren Arbeitskräfte plötzlich nicht mehr Massenware, wodruch das allgemeine Lohnniveau in den Städten anstieg. Erstmals in der russischen Geschichte bildete sich eine städtische Mittelschicht, welche zumindest teilweise nach westlichem Standard leben konnte.

Im vergleich zu den vorherigen Konflikten in Russland war der Rote Krieg relativ unbedeutend und verhalf nach der Einigung unter Stalin der Sowjetunion wieder zum Status einer Industriemacht. Nicht zuletzt darum wurde der Rote Krieg in der stalinistischen Propaganda glorifiziert und sogar der Oktoberrevolution gegenüber als bevorzugtes Beispiel für eine erfolgreiche Revolution der Arbeiter genommen.