FANDOM


Das Trotzki-Dekret war ein Erlass der kommunistischen Partei Russlands im Februar 1921. Ausgearbeitet wurde der Erlass vorwiegend von Leo Trotzki, der immer mehr an einem vollständigen Sieg der Roten zweifelte und versuchte die Weissen zu Verhandlungen zu bewegen.

AusgangslageBearbeiten

Angfangs 1921 war der russische Bürgerkrieg für alle Beteiligten ein riesiges Debakel geworden. Die Rote Armee konnte trotz enormen Verlusten keine Gebietsgewinne erlangen, in Süden war die Front schon gegen 1920 zum Stillstand gekommen und in Sibirien gelang es Koltschak nicht über die Wolga vorzustossen. Bereits mehrere Offensiven wurden von den Kommunisten zurückgedrängt. Die Wirtschaft lag vor allem in den von den Roten kontrollierten Gebieten aufgrund des Kriegskommunismus völlig am Boden und der kürzlich ausgebrochene Bauernaufstand von Tambow geriet völlig ausser Kontrolle.

Trotzki sah ein, dass das weiterführen des Krieges zum unvermeindlichen Ende Russlands und zur totalen Anarchie führen würde. Seine Idee, die Revolution zu retten, war relativ simpel: Die Weisse Bewegung sollte zerschlagen werden indem man den vielen beteiligten Konfliktparteien jeweils gewisse Zugeständnisse machte. Dann sollte sich Sowjetrussland wirtschafltich erhohlen können und die Armee modernisiert sowie später mit einer zweiten Revolution der Kommunismus weiter verbreitet werden.

Das DekretBearbeiten

Das Trotzki-Dekret enthielt drei Punkte, welche für alle Instanzen des weltweiten Kommunismus massgebend sein sollten.

  1.  Anerkennung der Selbstverwaltung sämtlicher Gebiete die eine solche fordern
  2.  Verzicht der Sowjetunion sowie Personen oder Organisationen der Komintern auf politische Betätigung in allen nichtkommunistischen Gebieten des ehemaligen Zarenreichs
  3. Verzicht auf sämtliche militärische Aktionen innerhalb des Gebietes des ehemaligen Zarenreichs (de fecto ein einseitiger Nichtangriffspakt)

Lenin lehnte zwar die krassen Zugeständnisse an die Weissen ab, doch sah auch er die aussichtslose Lage im Bürgerkrieg. Am 27. Februar 1921 verkündete Lenin, kurz vor dem X. Parteitag der Kommunistische Partei Russlands, das Inkrafttreten des Dekrets. Auch wenn das Gross der Parteispitze für eine weiterführung des Bürgerkriegs war, konnte Lenin auf die Unterstützung der Bauern, Arbeiter und Soldaten zählen, für die die Situation immer schlimmer wurde. Schlussendlich gab es von der Partei nur wenige Stimmen, die öffentlich Protestierten, dennoch sollte das Trotzki-Dekret die Bolschewiken schliesslich zerreissen und zum Roten Krieg führen.

FolgenBearbeiten

Nach der Verkündung des Trotzki-Dekrets trafen bald erste Abgesandte der nationalistischen Fraktionen, welche am Bürgerkrieg beteiligt waren, in Moskau ein. Da jedoch die von der Entente anerkannte Regierung in Sibirien und die Kosakenarmeen in der Ukraine anderst als die Separatisten der Peripherie nicht die Unabhängigkeit eines Staates zum Ziel hatten, sondern das Zarenreich restaurieren wollten, musste erst mit jeder Fraktion, die sich für Verhandlungen bereit erklärte, einzeln verhandelt werden. Nachdem das Baltikum, Turkmenistan und die kaukasischen Staaten bereits einen Friedensvertrag unterzeichnet hatten und verloren die Weissen zunehmend Unterstützung.

Um einem Zusammenbruch vorzubeugen bot man den Kommunisten gesamtrussische Friedensverhandlungen an. Zusammen mit den schon zuvor durch die Sowjetunion anerkannten Staaten wurde ein erneuter Vertrag ausgehandelt, der die Aufteilung des ehemaligen Zarenreiches beschloss und weitere Bedingungen für alle Parteien festlegte.  
Trotzki-Dekret

Die Aufteilung Russlands nach dem Trotzki-Dekret

Zusätzlich zu den Punkten des Trotzki-Dekrets wurden zwei weitere Bedingungen an den gesamtrussischen Vetrag geknüpft:

  1. Alle Nachfolgerstaaten des russischen Zarenreichs verzichten auf eine Restauration des Zarentums
  2. Jede Nation ist vollständig Unabhängig und hat das Recht, sich Allianzen anzuschliessen und Verträge abzuschliessen mit wessen Partner auch immer. Es darf keine grössere oder stärkere Nation auf die Aussenpolitik eines anderen Staates des ehemaligen Zarenreichs Einfluss nehmen oder sogar diese Beeinflussen

In der SowjetunionBearbeiten

Offiziell trat der gesamtrussische Friedensvertrag am 19. April 1921 in Kraft, worauf die UdSSR formal aus der Russischen SFSR, der Weissrussischen SSR und der Kirgisischen ASSR gebildet wurde, wobei Letztere nur aus einem Streifen fast unbewohntem Gebiets zwischen Sibirien und der zentralsiatischen Steppe bestand. Weiter teilte sich das Gebiet der Sibirischen Weissen in Ostsibirien, dem grössten Staat des geteilten Russlands, Turkemistan, einer losen Föderation zwischen dem Emirat Buchara, dem Chiwa-Khanat, der einflusslosen Kokander Autonomie und der Republik Aschgabat, sowie in die Frei Sibirische Exekutive, die im KOMUTSCH-Gebiet an der Wolga versuchte, die parlamentarischen Ideen der Sozialrevolutionäre umzusetzten.

Im Kaukasus erhielten Georgien, Armenien und Aserbaidschan die Unabhängigkeit - Armenien wurde nach einem blutigen Putsch jedoch zur Sowjetrepublik und schloss sich der UdSSR an.

Die Ukraine wurde zwar als unabhängiger Staat anerkannt, doch war das Gebiet bis dahin von verschiedenen Fraktionen besetzt: Der Ukrainischen Volksrepublik, deren Regierung von Sozialdemokraten und Marxisten dominiert wurde, sowie der Machnowschtschina, einer anarchistischen Partisanengruppe die schon im Bürgerkrieg die Weissen wie auch die Roten bekämpfte und zum Schluss noch von der Ukrainischen Republik, welche von den südlichen Weissen als autokratischer Kosakenstaat gebildet wurde. Der Bügerkrieg sollte noch Jahrzehnte andauern.

Polen, Litauen, Lettland, Estland und Finnland, welche bereits ihre Unabhängigkeit gegen die rote Militärgewalt verteidigen konnten, wurden durch den Vertrag nur noch in ihrer Unabhängigkeit bestätigt und kurz darauf auch International anerkannt. In Archangelsk bildete sich ausserdem ein kleiner Freistaat in dem Gebiet um die Stadt, welche von der Nordarmee gehalten wurde.

An der Grenze zu den baltischen Staaten verblieben die Reste des Nord-West-Korps und der Westrussischen Befreiungsarmee - militärisch an sich geschlagen und weder in der Sowjetunion noch im Baltikum wirklich erwünscht. Unter dem Führer der Befreiungsarmee, dem Abenteurer Pawel M. Bermondt-Awaloff übernahmen die verbliebenen Freikorpseinheiten und zaristischen Verbände die Kontrolle über die Region. In der darauffolgenden Zeit etablierte Bermondt-Awaloff ein nicht anerkanntes Terrorregime, welches sich bis 1931 den Häschern der Sowjetunion entziehen konnte, da durch den Roten Krieg niemand der kriegsführenden Parteien über die Kapazität verfügte, die Freischärler zu vertreiben.

Tannu-Tuwa und die Mongolei (welche zuvor ohnehin Unabhängig war) wurden noch während dem Bürgerkrieg durch chinesische Truppen besetzt und galten daher nicht als Teil des Zarenreiches gemäss den Bedingungen der Friedensverhandlungen. Daher versuchten zuerst die Weissen, dann die Roten ihren Einfluss auf die beiden Regionen auszuweiten, was zu dem Mongolischen Freiheitskampf und der Befreiung Tannu-Tuwas führte.

InternationalBearbeiten

Nach dem Friedensschluss in Russland versuchten die Mächte im Westen, ihren Einfluss auf die vielen neuen Staaten auszuweiten. Die Entente sowie Deutschland erkannten beide die Sowjetunion diplomatisch an, doch während die Entente noch vorsichtig war und vorwiegend die sibirischen Weissen, bzw. Ostsibirien in dem Glauben, der Bürgerkrieg würde bald wieder aufflammen, mit Militärgütern belieferte, schloss Deutschland mit der Sowjetunion diverse Verträge. Auch wenn es sich um ideologische Feinde handelte (Kommunisten wurden in der Weimarer Republik durch konservative Freikorpse und den aufkommenden Nationalsozialisten verfolgt und bekämpft, oft von der Regierung befohlen oder gedeckt) brauchte die Sowjetunion drinen Wirtschaftshilfe und die Deutschen Militärindustrie. Es wurden Materialien für die Zivilindustrie, Gold und normale Währung nach Russland geschickt - dafür wurde die deutsche Waffenentwicklung nach Russland ausgelagert.

Die Entente-Mächte sahen sich in den 30er mit verschiedenen Fehleinschätzungen konfrontiert: Die Hilfslieferungen nach Sibirien nützen im zweiten russischen Bürgerkrieg den Antikommunisten nicht viel und wurden durch deren Niederlage zu einer Fehlinvestition, während in Frankreich nach der jahrelangen Unterstützung der Weissen durch das Nichteinschreiten in den erneuten Krieg schwere Unruhen durch die inzwischen weiter radikalisierten Exilweissen aufflammten. Englands versucht, über Südrussland die Unabhängigkeit Turkmenistans und den Kaukasusstaaten nach dem Ausbruch erneuter Kampfhandlungen militärisch zu gewährleisten endete in einem riesigen Debakel, und aufgrund dem Fehlen einer schlagkräftigen Armee kam es zu Revolten im ganzen Nahost-Gebiet.